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Statistik

ATP-Rang
3
Siege : Niederlagen
64:12
Turnierteilnahmen
18
Turniertitel Einzel
4
 

Grand Slam Titel

 
 

History |2011

Der Saisonauftakt verläuft nach Mass: Roger gewinnt das Qatar Open und scheint den Schwung der letzten Turniere mit ins neue Jahr zu nehmen. Es folgt jedoch die erfolglose Titelverteidigung am Australian Open, und mit ihr beginnt eine längere Durststrecke. Obschon Roger in den ATP Worldrankings einen Zähler verliert und 2011 ohne Grand Slam-Titel bleibt, meldet er sich zum Saisonende hin eindrücklich zurück. Wie im Jahr zuvor spielt er zu einem goldenen Herbst auf, der im Sieg an den ATP Weltmeisterschaften in London gipfelt.


Roger startet als Weltnummer zwei ins Tennisjahr 2011 und legt gleich richtig los: Im Finale des Qatar Open in Doha bezwingt er Nikolay Davydenko in zwei Sätzen und holt sich den 67. Turniersieg seiner Karriere. Die Konkurrenz ist gewarnt, zumal Roger als Vorjahressieger ins Australian Open steigt. Kann er seiner Favoritenrolle im ersten Grand Slam-Turnier des Jahres gerecht werden? Die ersten Partien verlaufen vielversprechend, und in der Tat erreicht er, nur einmal gegen Gilles Simon geprüft, relativ problemlos das Halbfinale, für das sich kurz darauf auch die Weltnummer drei, Novak Djokovic, qualifiziert. Gleich zu Beginn ihrer Begegnung bietet sich Roger eine frühe Breakchance, die er leider nicht zu nutzen vermag. Der erste Satz geht ins Tiebreak, das der stark aufspielende Serbe für sich entscheidet. Zwei Sätze später ist das Spiel verloren – knapper, als es das Resultat erscheinen lässt, denn immer wieder ist es Roger gelungen, mit Djokovic gleichzuziehen und die Partie offen zu gestalten. Mit der Niederlage hält Roger keine Grand Slam-Trophäe mehr.

Am Turnier von Dubai fasst Roger schnell wieder Fuss und erkämpft sich Match um Match den Einzug ins Finale, wo sich ihm eine erste Möglichkeit zur Revanche an Djokovic bietet. Der vor Selbstvertrauen strotzende Serbe gesteht Roger aber, anders als noch in Melbourne, wenig Möglichkeiten zu, ins Spiel zu finden, so dass Djokovic das Spiel schliesslich verdient in zwei Sätzen gewinnt.

Indian Wells lautet die nächste Station im Turnierkalender, und auch hier startet Roger wieder nach Plan. Auf dem Weg ins Halbfinale muss er seinen Doppelpartner und Landsmann Stanislas Wawrinka eliminieren, der sich immerhin damit trösten kann, mit Roger das Doppelfinale zu bestreiten. Rogers nächster Gegner im Einzel heisst – Novak Djokovic. 

Seit vielen Spielen ungeschlagen gelingt ihm gegen Roger im ersten Satz eine tadellose Leistung. Im Gegenzug dominiert Roger seinen Gegner im zweiten Satz, der damit die Partie wieder ausgleichen kann. Im Entscheidungssatz folgt ein unglaublicher Schlagabtausch, in dem der Serbe aber das bessere Ende für sich hat: Er qualifiziert sich für das Endspiel und überholt Roger im ATP-Ranking. Leider können Roger und Stan auch im Doppelfinale keinen Sieg erringen und müssen sich gegen Alexandr Dolgopolov und Xavier Malisse in drei Sätzen geschlagen geben.

Nach zwei Halbfinalniederlagen in Key Biscane und Madrid gegen Nadal, scheitert Roger auch in Monte Carlo und Rom vorzeitig, weshalb sich zu Beginn von Roland Garros die mediale Aufmerksamkeit auf Djokovic und Nadal richtet. Doch ausgerechnet hier gelingt Roger in einem packenden Halbfinale die Revanche, womit es ihm beschieden ist, die lange Siegesserie des Serben, der 2011 schon seit 41 Partien ungeschlagen ist, zu beenden. Der Weg dorthin ist allerdings alles andere als ein Spaziergang, sondern ein 3:39 Stunden lang dauernder Thriller. Den dritten Matchball im vierten Satz verwertet Roger schliesslich, so dass es im Finale zur Affiche Roger gegen Nadal kommt – dem Klassiker schlechthin.

Und sie machen es spannend. Roger gelingt ein souveräner, angriffslustiger Einstand, der ihn zu Beginn des Satzes 3-0 in Führung bringt. Bei 5-2 findet der Spanier auf einmal zurück ins Spiel und gewinnt den ersten Satz am Ende noch. Roger kämpft weiter, muss seinem Gegner zwar auch den zweiten Satz überlassen, verkürzt den Spielstand danach aber auf 2-1. Im vierten Satz geht es dann plötzlich schnell und Nadal kann, obschon Roger nicht schlecht spielt, die wichtigen Punkte für sich verbuchen und so seinen sechsten Finalsieg in Roland Garros feiern.

In Wimbledon startet Roger mit neuem Elan. Lediglich einen Satz muss er auf dem Weg ins Viertelfinale abgeben, wo er auf Jo-Wilfried Tsonga trifft. Die Partie scheint unter Kontrolle, führt Roger doch mit zwei Sätzen – ein Vorsprung, den er an einem Grand Slam-Turnier noch nie abgegeben hat. Der Franzose schafft aber das zuvor Unmögliche: Er gewinnt die folgenden zwei Sätze in beherzter Manier und behält im Entscheidungssatz die Oberhand, so dass Roger die Ambitionen auf seinen 7. Wimbledon-Titel vertagen muss.

Am Davis Cup in Bern kann Roger im Einzel und im Doppel mit Stan wesentlich dazu beitragen, dass Portugal letztlich mit 5-0 eliminiert wird. Dadurch bietet sich dem Schweizer Team die Möglichkeit, gegen Australien in die Weltgruppe aufzusteigen, was ihnen dank einer überzeugenden Teamleistung im Herbst gelingen wird.

Doch noch stehen für Roger die Turniere in Cincinnati und das letzte Grand Slam-Turnier des Jahres, die US Open, an. In Cincinnati agiert Roger glücklos und muss sich im Viertelfinale gegen Tomas Berdych geschlagen geben. An den US Open hingegen dringt er bis ins Halbfinale vor, wo er einmal mehr auf Novak Djokovic trifft. Es wird eine heiss umkämpfte Partie, in der Roger mit zwei Satzgewinnen überzeugend vorlegen kann. Als Roger im dritten Satz etwas nachlässt, vermag Djokovic seinerseits das Tempo zu erhöhen. In der Folge verliert Roger die nächsten zwei Sätze relativ klar, so dass der fünfte Satz entscheiden muss. Beide Kontrahenten gehen noch mal ans Limit und das spektakuläre und intensive Spiel bleibt bis zuletzt spannend. Roger erspielt sich zwei Matchbälle, die er leider nicht verwertet. Im Gegenteil: Eine wuchtige Vorhand von Djokovic und ein Eigenfehler führen dazu, dass der Serbe sich kurz darauf den Finaleinzug sichert.

Immerhin hat sich Roger mit dem Vorstoss ins Halbfinale zum zehnten Mal in Folge für die ATP World Tour Finals in London qualifiziert, wo er als Titelverteidiger antreten wird. Nur Pete Sampras und Ivan Lendl haben bisher öfter am Jahresfinale teilgenommen und weisen, wie Roger zu diesem Zeitpunkt, fünf Turniergewinne auf.

Während andere Spieler sich über die intensive und lange Tennissaison beklagen, haushaltet Roger mit seinen Kräften und sagt nach den Erfolgen mit dem Davis Cup-Team gegen Australien schweren Herzens das Shanghai Rolex Master ab. Das, obschon er von Andy Murray dadurch kurzzeitig im ATP Ranking überholt wird und auf den 4. Rang abrutscht.

Die längere Regenerationspause macht sich jedoch mehr als bezahlt, denn in den restlichen Turnieren läuft Roger zur Höchstform auf. Der von den Medien mehrfach abgeschriebene Tennisstar startet seinen eindrücklichen Saison-Endspurt mit dem Sieg an den Swiss Indoors, die er zum fünften Mal gewinnen kann.

Der nächste, 69. Titel seiner Karriere lässt nicht lange auf sich warten: In Paris-Bercy sehen wir einen inspiriert aufspielenden Roger, der seine Gegner nach belieben dominiert. Seine 99. Finalteilnahme bestreitet er gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga, den er im ersten Satz regelrecht überfährt und im zweiten Satz soweit zu kontrollieren vermag, dass sein erster Sieg am BNP Parisbas Masters nie wirklich in Gefahr gerät. Plötzlich erscheint Roger wieder auf dem Radar seiner Gegner für das Jahresfinale in London. Völlig zu Recht, wie sich zeigen wird.

In der Gruppenphase bezwingt er Jo-Wilfried Tsonga und Rafael Nadal, qualifiziert sich frühzeitig für das Halbfinale und kann auch das dritte Gruppenspiel gegen Mardy Fish problemlos gewinnen. Im Halbfinale eliminiert er David Ferrer und trifft im 100. Finalspiel seiner Karriere erneut auf Tsonga. Der Franzose vermag zwar noch einen Satzrückstand wettzumachen, der Entscheidungssatz aber geht klar an Roger, der nun total 70 Turniersiege vorzuweisen hat und mit sechs Titeln an den ATP World Tour Finals alleiniger Rekordhalter ist.

Nicht nur für Roger bietet der Turniersieg Anlass zur Freude, sondern auch für die Roger Federer Foundation, die sich seit 2011 neu auch in den Ländern Sambia und Simbabwe engagiert. In einer Auktion versteigern die acht Turnierteilnehmer den Inhalt ihrer Spinde, d.h. ihr Outfit, signierte Gegenstände und Erinnerungsstücke ans Jahresfinale, um den Erlös an ausgesuchte Stiftungen zu spenden. In dieser Aktion werden von den Spielern über 50'000 USD zusammengetragen, wobei Rogers Spind mit 17'800 USD weitaus am meisten Geld abwirft – zur Freude der Hilfeempfänger der Roger Federer Foundation.

Sein Glück und seinen Erfolg mit anderen zu teilen sind zwei der Komponenten, die Rogers weltweite Bekanntheit und Beliebtheit ausmachen. Immer wieder erhält Roger Auszeichnungen für sein sportliches und vorbildliches Verhalten, so auch in diesem Jahr. Er erhält den 2011 Fan’s Favourite Award und den Stefan Edberg Sportsmanship Award und wird in einer internationalen Umfrage hinter Nelson Mandela auf den zweiten Platz der bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Zeit gewählt. Eine Ehre, die sich Roger nicht nur auf, sondern vor allem auch neben dem Court redlich erarbeitet hat.

Im August 2011 feierte Roger seinen 30. Geburtstag, und auch wenn einige bittere Niederlagen die Freude am Verlauf der Saison etwas trüben mögen: Die Konstanz seiner Leistungen sowie die langjährige Präsenz an der Weltspitze suchen nach wie vor ihresgleichen. In guten Zeiten zu gewinnen, ist wohl schwer genug. Sich aber in schwierigen Zeiten wieder zurück zu kämpfen, das macht den wahren Champion aus. 

Diese Qualität hat Roger nicht zuletzt mit seinem goldenen Herbst bewiesen: Gelingt ihm sein bestes Tennis, kann er nach wie vor jeden Spieler bezwingen, egal welchen Alters. Nicht die glorreiche Vergangenheit, sondern die sportliche Gegenwart berechtigt seine Fans dazu, sich auf das Olympiajahr 2012 zu freuen.